Zur Geschichte der Ukulele

Wir schreiben das Jahr 1879. Die Briten entscheiden den Zulukrieg entgültig für sich, die Registrierkasse wird zum Patent angemeldet, Winfield Woolworth eröffnet sein erstes Geschäft und João Fernandes, Manuel Nunes, Augusto Dias sowie Jose do Espirito Santo landen an Bord der Ravenscrag in Honolulu. Uns Ukuleleliebhaber interessiert eigentlich nur letztere Information.

Genau vier Monate nachdem die Ravenscrag von Madeira/Portugal aus in See gestochen war, erreichte sie endlich den Hafen von Honolulu. Die Ravenscrag hatte unglaubliche 25000 Kilometer zurückgelegt und war nach der SS Priscilla erst das zweite Schiff welches Immigranten erfolgreich nach Hawaii gebracht hatte.


(Ravenscrag)

Unter den etwa 420 portugiesischen Immigranten befanden sich auch João Fernandes, Manuel Nunes, Augusto Dias und Jose do Espirito Santo.


(v.l.n.r.: João Fernandes, Manuel Nunes , Augusto Dias)


Wer waren diese Männer ?

João Fernandes war Musiker. Dieser Umstand kam allen Passagieren an Bord der Ravenscrag zu Gute. Dank seiner musikalischen Fähigkeiten und einem kleinen viersaitigen Instrument namens "Machete" wusste er die Langeweile, die während einer viermonatigen Schiffsfahrt entstehen kann, zu vertreiben.

Manuel Nunes, Augusto Dias und Jose do Espirito Santo waren Handwerker. Sie waren zwar keine Vollblutmusiker wie João Fernandes, doch hatten sie ein gewisses Maß an musikalischer Begabung. Eines hatten sie jedoch alle gemein. Wie auch all die anderen Immigranten waren sie nach Hawaii aufgebrochen um dort auf den Zuckerplantagen zu arbeiten und sich so eine neue Existenz aufzubauen. Zu der damaligen Zeit blühte das Zuckergeschäft auf Hawaii weshalb es reichlich Bedarf an Arbeitskräften gab.

Als die Ravenscrag nun am 23.August 1879 im Hafen von Honolulu anlegte, endete die lange Reise. Man kann sich kaum vorstellen wie glücklich jeder einzelne Passagier gewesen sein muss als er nach vier Monaten auf See endlich wieder festen Boden unter den Füßen hatte. Dieses Gefühl überkam natürlich auch João Fernandes weshalb er völlig erschöpft von Bord sprang und vor lauter Glück portugiesische Volkslieder auf seiner "Machete" spielte.



Zur "Machete" ist zu sagen, dass dieses Instrument viele Namen hat. So werdet ihr, falls ihr Nachforschungen anstellt, auch auf die Bezeichnungen "Cavaquinho" oder "Braguinha" treffen.

Die anwesenden Hawaiianer versammelten sich um ihn und bestaunten sein Spiel. Etwas derartiges hatte man noch nicht gesehen. Das schnelle Spiel mit der Greifhand erinnerte sie an einen Floh der von Saite zu Saite hüpfte. Da "Ukulele" im Hawaiianischen soviel wie "hüpfender Floh" bedeutet, nannte man das kleine viersaitige Instrument von diesem Momentan an "Ukulele".

Dies ist nur eine Theorie wie unser aller Lieblingsinstrument zu seinem Namen kam.

Eine andere Theorie setzt bei Edward Purvis an. Edward Purvis war Brite und einer der Kämmerer des von 1874 bis 1891 in Hawaii regierenden Königs David Kalakaua. Es heißt, dass Edward Purvis aufgrund seiner geringen Körpergröße und seiner energischen Art den Spitznamen "Ukulele" erhielt. Da er nicht nur seiner Arbeit als Kämmerer nachging sondern auch oft und gerne die "Machete" gespielt haben soll, ging sein Spitzname auf eben dieses kleine viersaitige Instrument über.


(Unten in der Mitte König David Kalakaua; Oben links Edward Purvis)

Die dritte und letzte Theorie die ich hier aufgreifen möchte hat einen ganz anderen Ansatzpunkt und hat nichts mit kleinen Flöhen zu tun.

Bevor Hawaii 1894 zur Republik erklärt wurde, herrschte Königin Lili'uokalani. Sie war die direkte Nachfolgerin von König David Kalakaua und soll eine große Freundin der "Machete" gewesen sein. Laut einer Urenkelin von João Fernandes soll dieser regelmäßig bei Königin Lili'uokalani vorgespielt haben. Das soll sogar soweit gegangen sein, dass die Ehefrau Joãos irgendwann so eifersüchtig wurde, dass sie eine seiner "Macheten" bzw. "Ukulelen" auf dessen Kopf zerschlagen haben soll.


(Königin Lili'uokalani)

Königin Lili'uokalani sah dieses kleine Saiteninstrument als ein Geschenk an welches von Portugal nach Hawaii gekommen war um den Menschen Freude zu bringen. Da "Geschenk" mit "Uku" und "kommen" bzw. "gekommen" mit "lele" übersetzt werden kann, nannte sie dieses Instrument "Ukulele".


Soviel zu der Namensgebung. Wie ging es nun mit der Ukulele weiter ?

Ich habe ja bereits die Handwerker bzw. Instrumentenbauer Manuel Nunes, Augusto Dias und Jose do Espirito Santo erwähnt. Sie alle arbeiteten nach ihrer Ankunft in Hawaii 1879 auf einer der Zuckerplantagen. Alle drei nutzten das wachsende Interesse an der Ukulele/Machete und den Umstand, dass ihr Arbeitsvertrag auf der Plantage auslief um ihre eigenen Musikfachgeschäfte in Honolulu zu eröffnen. Zwischen 1884 und 1889 ließen sich alle drei im Stadtregister als Instrumentenbauer eintragen. In der selben Zeit erschienen die ersten Anzeigen um auf ihre Geschäfte aufmerksam zu machen.


(Anzeige erschienen in der hawaiianischen Zeitschrift "Luso O")


Zum ersten Mal wurde die Ukulele auf der "World’s Columbian Exposition in Chicago" Ausstellung präsentiert doch ihren Durchbruch in Amerika gelang ihr erst Anfang des 20ten Jahrhunderts.



1915 fand in San Francisco vom 20. Februar bis zum 4. Dezember die Weltausstellung "Panama Pacific International Exposition" statt.



Auf dieser Weltausstellung traten auch Musiker aus Hawaii auf. Sie führten traditionelle hawaiianische Stücke vor und spielten dabei unter anderem auf der Ukulele. Die Nachfrage nach Ukulelen schoss in Folge in die Höhe doch die Nachfrage konnte nicht gedeckt werden. Sowohl Augusto Dias als auch Jose do Espirito Santo erkrankten um 1900 schwer und erlagen kurz darauf ihren Krankheiten. Manuel Nunes alleine konnte den Markt nicht bedienen.

Hersteller wie Gibson, Harmony, Regal, National, Dobro und Martin nutzten diesen extremen Nachfrageüberhang und begannen die Massenprodukt. Jeder der eine Ukulele wollte, konnte sich nun sein eigenes Exemplar kaufen. Um 1930 musste man etwa 5$ bis 60$ zahlen um sich eine Ukulele zu kaufen. Hierbei muss man berücksichtigen, dass beispielsweise ein US Amerikanischer Soldat im zweiten Weltkrieg etwa 1$ pro Tag verdient hat.

Zwischen 1930 und 1940 büßte die Ukulele etwas an Popularität ein. Dies änderte sich jedoch wieder als heimkehrende US Amerikanische Soldaten im zweiten Weltkrieg Ukulelen aus Hawaii mitbrachten. Zudem entdeckten zu diesem Zeitpunkt große Musiker wie George Formby, Roy Smeck und Eddie Kamae für sich und führten das kleine viersaitige Instrument zurück in den Mainstream über.


(v.l.n.r.:Roy Smeck, Eddie Kamae, George Formby)